Zirkelschlag

Ratgeber / Für Eltern

Nachhilfe, App oder beides?

Entwurf · noch nicht geprüftStand 23.10.2026Für Eltern

Eine Nachhilfelehrkraft sieht Ihr Kind: Sie merkt, wo es wirklich hakt, passt die Erklärung an und hält es bei der Stange. Eine Lern-App kann das nicht. Sie kann dafür etwas anderes: zwischen den Stunden üben lassen, jeden Rechenschritt sofort prüfen, zu jeder Uhrzeit. Am meisten bringt oft beides zusammen – wenn klar ist, wer was übernimmt.

Was Nachhilfe kann

  • Sehen, wo es hakt. Eine gute Lehrkraft merkt am Zögern, am Radiergummi, an der Rückfrage, ob ein Rechenfehler vorliegt oder ein Begriff fehlt. Das sind verschiedene Probleme, und sie brauchen verschiedene Hilfe.
  • Die Erklärung anpassen. Klappt ein Weg nicht, kommt ein anderer: eine Skizze, ein Alltagsbild, eine einfachere Zahl.
  • Lücken von früher finden. Oft scheitert eine Oberstufenaufgabe an Brüchen, Klammern oder Vorzeichen aus der Mittelstufe.
  • Motivieren. Ein Mensch, der sich nach der Klausur erkundigt, wirkt anders als jede Erinnerung auf dem Bildschirm.

Was eine App kann

  • Üben zwischen den Stunden. In der Nachhilfestunde wird erklärt; fest wird ein Verfahren erst, wenn Ihr Kind es danach noch ein paar Mal allein rechnet.
  • Jeden Schritt prüfen. Eine gute App sagt nicht nur „falsch“, sondern zeigt, in welchem Schritt es nicht stimmt.
  • Jederzeit. Zehn Minuten vor dem Training, am Sonntagabend, kurz vor der Klausur – ohne Termin.

Was eine App nicht kann: Ihr Kind sehen, Frust bemerken, wissen, worauf die Lehrkraft in der nächsten Klausur Wert legt.

So können Sie entscheiden

  1. Verstehen oder üben?

    Fragen Sie Ihr Kind, ob es ein Thema nicht versteht oder ob es das Verfahren kennt, aber Fehler macht. Fehlt das Verständnis, ist ein Mensch die bessere Hilfe. Fehlt die Übung, reicht oft eine App.

  2. Wie selbstständig ist Ihr Kind?

    Eine App braucht ein Kind, das sich hinsetzt. Wer dafür Struktur von außen braucht, profitiert von festen Terminen.

  3. Wie viel Zeit bleibt?

    Steht die Klausur oder das Abitur kurz bevor, zählt gezieltes Üben der Prüfungsthemen.

  4. Absprechen

    Nutzen Sie beides, sollte die Nachhilfelehrkraft wissen, was zwischen den Stunden geübt wird – und dort anfangen, wo es gehakt hat.

Der typische Fehler

Nachhilfe als Hausaufgabenbetreuung nutzen. Wenn in der Stunde nur die Aufgaben von morgen erledigt werden, ist die Woche geschafft, aber die Lücke bleibt. Besser: die Stunde für das, was nicht verstanden ist, und das Üben dazwischen.

Beispiel: eine Woche mit beidem

Am Montag erklärt die Nachhilfelehrkraft Extremwertaufgaben, Ihr Kind rechnet zwei Aufgaben selbst. Zwischen den Stunden übt es an drei Tagen kurz weiter. Am nächsten Montag beginnt die Stunde mit den Schritten, bei denen es gehakt hat.

Lars Haneveld, der als Nachhilfelehrer in Frankfurt unterrichtet, beobachtet in seinen Stunden immer wieder: Ein Verfahren mit vielen Schritten sitzt am Ende der Stunde, eine Woche später ist oft die Reihenfolge weg. Genau diese Woche dazwischen ist die Lücke, die Üben füllen kann. Und es hilft am meisten, wenn Ihr Kind die Schritte selbst macht, statt zuzusehen.

Lars hat Zirkelschlag für die Zeit zwischen seinen Stunden gebaut: Jede Mathe-Aufgabe geht Schritt für Schritt, jeder Schritt wird geprüft, und die App sammelt keine Daten.

Kurz gefragt

Woran erkenne ich gute Nachhilfe?

Ihr Kind rechnet in der Stunde selbst, statt zuzusehen. Die Lehrkraft fragt nach, bevor sie erklärt, und sagt Ihnen, woran gearbeitet wird. Eine Probestunde zeigt das meist schnell.

Kann eine App Nachhilfe ersetzen?

Für das Üben ja, für das Erklären und Ermutigen nicht. Fehlt das Verständnis für ein Thema, hilft mehr Üben allein selten weiter.

Was sollte eine Mathe-App mindestens können?

Jeden Rechenschritt prüfen statt nur das Endergebnis, zum Lehrplan Ihres Bundeslands passen und ohne Werbung auskommen, die vom Üben ablenkt.

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