Zirkelschlag

Arbeitsblätter / Themen A–Z / Chemie

Zwischenmolekulare Kräfte

Chemie · Klasse 10 · 6 Blätter · 75 Aufgaben
LehrplanHessen: E.3 Einführung in die Chemie organischer VerbindungenHessen: Q1.1 Chemische Bindung und Strukturen

Wie hoch ein Stoff siedet und worin er sich löst, entscheiden die Kräfte zwischen seinen Molekülen. Drei Arten reichen, um die Aufgaben zu lösen.

Worum es geht

Beim Sieden werden keine Bindungen im Molekül gespalten, sondern die Moleküle voneinander getrennt. Je stärker sie sich anziehen, desto mehr Energie ist nötig und desto höher liegt die Siedetemperatur. London-Kräfte (Van-der-Waals-Kräfte) wirken zwischen allen Molekülen und wachsen mit der Elektronenzahl und der Kontaktfläche. Dipol-Dipol-Kräfte kommen bei Dipolmolekülen hinzu. Wasserstoffbrücken sind die stärksten; sie entstehen nur, wenn ein H-Atom an N, O oder F gebunden ist.

Die Regeln

KraftVoraussetzungBeispiel
London-Kräfteimmer; stärker bei großen, langgestreckten MolekülenAlkane: Methan −162 °C, Octan 126 °C
Dipol-Dipol-Kräftedas Molekül ist ein DipolChlorwasserstoff, Propanon
WasserstoffbrückenH an N, O oder F gebunden, dazu ein freies Elektronenpaar am NachbarmolekülWasser, Ethanol, Ammoniak
LöslichkeitÄhnliches löst sich in ÄhnlichemSalz in Wasser, Iod in Heptan

Beispiel, Schritt für Schritt

Aufgabe: Ethanol und Dimethylether haben beide die Formel C₂H₆O. Warum siedet Ethanol bei 78 °C, der Ether bei −24 °C?
SchrittÜberlegungWarum
1 · Gleiche Größegleiche Summenformel, gleiche Elektronenzahldie London-Kräfte sind etwa gleich stark, sie erklären den Unterschied nicht
2 · EthanolCH₃–CH₂–O–H: H direkt an Odas stark positivierte H kann eine Wasserstoffbrücke zum O des Nachbarmoleküls bilden
3 · DimethyletherCH₃–O–CH₃: alle H an CC–H ist kaum polar, es gibt keine Wasserstoffbrücken, nur Dipol-Dipol-Kräfte
4 · ErgebnisEthanol siedet rund 100 K höherWasserstoffbrücken halten die Moleküle stärker zusammen

Der typische Fehler

Jedes Molekül mit Wasserstoff bildet Wasserstoffbrücken. Methan enthält vier H-Atome und siedet trotzdem bei −162 °C. Entscheidend ist, woran das H gebunden ist: Nur an N, O oder F wird es so stark positiv, dass es ein freies Elektronenpaar eines anderen Moleküls anzieht. H an Kohlenstoff zählt nicht.

So prüfst du dein Ergebnis

Erst die Art, dann die Größe. Vergleiche zuerst, welche Kräfte wirken: Wasserstoffbrücken schlagen fast immer die übrigen. Haben beide Stoffe dieselbe Art, entscheidet die Molekülgröße: Das größere, elektronenreichere Molekül siedet höher. Bei gleicher Formel siedet das langgestreckte Molekül höher als das kugelige.