Zirkelschlag

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Mendel: dihybrider Erbgang

Biologie · Klasse 9–10 · 6 Blätter · 75 Aufgaben

Alles, was man braucht, um Erbgänge mit zwei Merkmalen zu lösen, ohne jedes Mal ein 16-Felder-Schema zu zeichnen.

Worum es geht

Beim dihybriden Erbgang betrachtet man zwei Merkmale zugleich, etwa Samenfarbe (G gelb, g grün) und Samenform (R rund, r runzlig) der Erbse. Liegen die beiden Gene auf verschiedenen Chromosomen, werden ihre Allele unabhängig voneinander auf die Keimzellen verteilt. Das ist Mendels Unabhängigkeitsregel. Jede Keimzelle erhält von jedem Gen genau ein Allel. Weil die Gene unabhängig sind, kann man jedes Merkmal einzeln wie beim monohybriden Erbgang ausrechnen und die Wahrscheinlichkeiten dann multiplizieren.

Die Regeln

RegelAussageBeispiel
Keimzellenvon jedem Gen ein Allel; jedes mischerbige Gen verdoppelt die Zahl der SortenGgRr → GR, Gr, gR, gr (4 Sorten)
F1reinerbige Eltern ergeben einheitliche, doppelt mischerbige NachkommenGGRR × ggrr → alle GgRr
F2doppelt Mischerbige untereinanderGgRr × GgRr → 9 : 3 : 3 : 1
Rückkreuzungmit dem doppelt rezessiven PartnerGgRr × ggrr → 1 : 1 : 1 : 1
ProduktregelP(beide Merkmale) = P(Merkmal 1) · P(Merkmal 2)gelb und rund in der F2: 3/4 · 3/4 = 9/16

Beispiel, Schritt für Schritt

Aufgabe: Erbse: gelb (G) dominant über grün (g), rund (R) dominant über runzlig (r). Die Gene liegen auf verschiedenen Chromosomen. Gekreuzt wird GgRr × Ggrr. Mit welcher Wahrscheinlichkeit ist ein Nachkomme gelb und runzlig?
SchrittRechnungWarum
1 · Gene trennenSamenfarbe: Gg × Gg; Samenform: Rr × rrunabhängige Gene darf man einzeln betrachten
2 · SamenfarbeGg × Gg → 3 gelb : 1 grün, P(gelb) = 3/4die bekannte Spaltung aus dem monohybriden Erbgang
3 · SamenformRr × rr → 1 rund : 1 runzlig, P(runzlig) = 1/2eine Rückkreuzung
4 · Multiplizieren3/4 · 1/2 = 3/8beide Ereignisse müssen gleichzeitig eintreten
5 · In Sechzehnteln3/8 = 6/16so lässt es sich mit einem 16-Felder-Schema vergleichen

Der typische Fehler

Die Keimzellen von GgRr als „Gg und Rr“ aufschreiben. Das wirkt naheliegend, weil man den Genotyp einfach in seine beiden Hälften teilt. Eine Keimzelle erhält aber von jedem Gen genau ein Allel, nicht beide Allele eines Gens. Richtig sind deshalb GR, Gr, gR und gr. Eine Keimzelle „Gg“ hätte kein Allel für die Samenform — daraus könnte keine vollständige Erbse entstehen.

So prüfst du dein Ergebnis

Zählen. Die Zahl der Keimzellsorten ist 2 hoch (Zahl der mischerbigen Gene): GgRr hat 2² = 4, GGRr hat 2. Summe: 9 + 3 + 3 + 1 = 16, und die Wahrscheinlichkeiten aller vier Phänotypen müssen zusammen 1 ergeben. Gegenprobe: Das Ergebnis darf nie größer sein als die Wahrscheinlichkeit eines einzelnen Merkmals — 3/8 ist kleiner als 3/4 und als 1/2.